Ein unruhiger oder dröhnender Leerlauf nervt – besonders bei älteren BMW-Dieseln und bei Automatik-Fahrzeugen im Stand. Bei vielen Motoren der E-Serie lässt sich die Leerlaufdrehzahl mit INPA leicht und dauerhaft anheben. Hier erfahren Sie, wann das sinnvoll ist, wie es grundsätzlich abläuft und wann Sie besser die eigentliche Ursache suchen sollten.
Was bedeutet „Leerlauf anheben“?
Die Motorsteuerung (DME beim Benziner, DDE beim Diesel) hat eine fest hinterlegte Soll-Leerlaufdrehzahl. Zusätzlich gibt es bei vielen Steuergeräten einen Leerlauf-Abgleich: einen Korrekturwert, der ab Werk auf 0 steht und um den die Solldrehzahl verschoben wird. Genau diesen Abgleichwert verändern Sie. Die eigentliche Software des Steuergeräts bleibt unverändert, und der Wert lässt sich jederzeit wieder auf 0 zurückstellen.
Wichtig ist der Unterschied zwischen zwei Funktionen, die in INPA ähnlich aussehen:
- Vorübergehende Anhebung: Viele DME bieten unter den Systemdiagnosen eine Funktion, mit der Sie die Leerlaufdrehzahl in 10er- oder 100er-Schritten erhöhen oder direkt eine Wunschdrehzahl eingeben. Das ist für Tests gedacht, zum Beispiel für eine VANOS-Prüfung. Diese Anhebung gilt nur, solange die Funktion aktiv ist bzw. bis die Zündung ausgeschaltet wird.
- Dauerhafter Abgleich: Über einen eigenen Menüpunkt zum Leerlauf-Abgleich (oft als „EOL“ oder „LL-Abgleich“ bezeichnet) wird der Korrekturwert für die verschiedenen Leerlauf-Stufen eingestellt und anschließend fest im Steuergerät gespeichert („programmiert“).
Welche Fahrzeuge und Steuergeräte?
Die Funktion ist vor allem bei der E-Serie verbreitet, die mit einem K+DCAN-Kabel und INPA angesprochen wird. Berichte gibt es unter anderem für Benziner mit M54 (MS43), N52 (MSV70/MSV80), N53/N54 (MSD80) und V8 mit ME9, sowie für Diesel mit M57 und den Motorsteuerungen DDE 3.0, 4.0 und 5.0. Ob und unter welchem Namen der Menüpunkt bei Ihnen erscheint, hängt aber vom genauen Steuergerät und vom Softwarestand ab. Bei manchen Dieseln ist die dauerhafte Einstellung in INPA nicht vorhanden und nur mit anderen Werkstatt-Programmen möglich. Für F- und G-Modelle ist INPA nicht gedacht.
Wann eine Anhebung sinnvoll sein kann
- Unruhiger Leerlauf bei warmem Motor: Manche Motoren laufen ab Werk sehr niedrig, etwa um 600 U/min, und schütteln dann spürbar. Eine kleine Anhebung macht den Lauf oft deutlich weicher.
- Dieseltackern und Vibrationen im Stand mit Automatik: Mit eingelegter Fahrstufe sinkt die Drehzahl unter Last. Besitzer älterer 525d/530d berichten, dass das Nageln nach einer Anhebung um wenige Dutzend Umdrehungen spürbar leiser wurde.
- Geräusche der Servopumpe beim Lenken im Stand können bei leicht höherer Drehzahl nachlassen.
- Gealterte Motoren und Lager: Bei älteren Fahrzeugen überträgt sich der Leerlauf stärker in die Karosserie. Eine leichte Anhebung kann das mildern – ersetzt aber keine defekten Motorlager.
Wann Sie es lassen sollten
Die Leerlaufanhebung ist eine Komfort-Einstellung, keine Reparatur. Läuft der Motor plötzlich unrund, sacken die Drehzahlen ab oder steht etwas im Fehlerspeicher, sollten Sie zuerst die Ursache suchen. Typische Kandidaten sind:
- Falschluft durch undichte Schläuche oder Dichtungen (Benziner)
- Injektoren, Zündspulen oder Zündkerzen
- Bei Dieseln der Injektor-Mengenabgleich, AGR-Ventil und Sensoren
- Lambdasonden, Drosselklappe, Leerlaufsteller
- Defekte Motor- oder Getriebelager
Eine angehobene Drehzahl verdeckt solche Fehler nur. Außerdem bedeutet mehr Drehzahl im Stand etwas mehr Verbrauch, und bei Automatik zieht das Fahrzeug mit eingelegter Fahrstufe stärker an („kriechen“). Übertreiben Sie es deshalb nicht: Berichtet werden typischerweise Korrekturen von +20 bis +50 U/min. Werte von 150 oder 200 U/min sind für den Dauerbetrieb deutlich zu viel.
So läuft es grundsätzlich ab
- Batterieladegerät anschließen. Während der Diagnose und beim Speichern im Steuergerät wird viel Strom verbraucht, eine schwache Spannung kann den Vorgang stören.
- K+DCAN-Kabel einstecken und INPA starten. Zum Verbinden die Zündung einschalten (Motor aus, Kontrollleuchten im Kombi leuchten). Für den Abgleich selbst muss der Motor aber laufen.
- Den Motor betriebswarm fahren. Für den Abgleich wird in der Regel eine Kühlmitteltemperatur von etwa 90 °C vorausgesetzt.
- Im Motor-Bereich das passende Steuergerät wählen und unter den Systemdiagnosen den Leerlauf-Abgleich öffnen. Zuerst den aktuellen Wert lesen und notieren.
- Den Wert in kleinen Schritten, z. B. 10 U/min, ändern und das Ergebnis prüfen – auch mit eingeschalteter Klimaanlage, eingeschlagenem Lenkrad und bei Automatik in Fahrstufe D mit getretener Bremse. Je nach Steuergerät gibt es mehrere Leerlauf-Stufen, die einzeln eingestellt werden.
- Erst wenn Sie zufrieden sind, den Wert programmieren bzw. speichern. Nicht ständig neu programmieren, jeder Speichervorgang schreibt in das Steuergerät.
- Motor aus, neu starten und den gespeicherten Wert noch einmal auslesen.
Der zulässige Einstellbereich ist begrenzt und hängt vom Steuergerät ab. Halten Sie sich an die Vorgaben, die INPA anzeigt. Zurückstellen ist jederzeit möglich, indem Sie den Abgleich wieder auf 0 setzen und programmieren.
Was nicht dazugehört
Hier geht es nur um den vom Hersteller vorgesehenen Abgleichwert. Eingriffe in die Software des Steuergeräts, Kennfeldänderungen oder Veränderungen an der Abgasreinigung gehören nicht dazu – sie können die Betriebserlaubnis kosten. Dabei helfe ich nicht.
Mein Tipp
Starten Sie mit einer kleinen Anhebung, fahren Sie ein paar Tage und entscheiden Sie dann. Und lesen Sie vorher immer den Fehlerspeicher aus. Mit einem fertig eingerichteten Diagnose-Laptop haben Sie dafür alles an Bord – bei Fragen zu Ihrem Motor helfe ich gern per WhatsApp.
Hinweis zur AU: Die Leerlaufdrehzahl wird bei der Abgasuntersuchung geprüft. Ändern Sie sie nur innerhalb des vom Steuergerät angebotenen Abgleichbereichs und notieren Sie den Originalwert, damit Sie ihn zurückstellen können.
Häufige Fragen
Kann man die Leerlaufdrehzahl beim BMW mit INPA dauerhaft erhöhen?
Bei vielen Motorsteuerungen der E-Serie ja, über den Leerlauf-Abgleich. Der Korrekturwert wird im Steuergerät gespeichert. Ob die Funktion vorhanden ist, hängt von Steuergerät und Softwarestand ab.
Wie viel sollte man die Leerlaufdrehzahl anheben?
Wenig. In der Praxis reichen meist +20 bis +50 U/min. Höhere Werte erhöhen den Verbrauch und bei Automatik das Kriechen.
Kann ich die Änderung rückgängig machen?
Ja. Setzen Sie den Abgleichwert wieder auf 0 und programmieren Sie ihn erneut ins Steuergerät.
Behebt eine höhere Leerlaufdrehzahl einen unrunden Motor?
Nur bei Komfortproblemen. Steckt ein Fehler dahinter, etwa Falschluft, Injektoren oder Zündung, wird er nur überdeckt. Lesen Sie zuerst den Fehlerspeicher aus.
Geht das auch bei F- und G-Modellen mit INPA?
Nein, INPA ist für die E-Serie mit K+DCAN-Kabel gedacht.
Haftungshinweis: Arbeiten an Fahrzeug und Steuergeräten erfolgen auf eigene Verantwortung. Die Angaben sind nach bestem Wissen recherchiert, können aber je nach Fahrzeug und Softwarestand abweichen. Kein offizielles BMW-Angebot.
Fertig eingerichteter BMW Diagnose-Laptop mit Support
ISTA+, INPA, E-Sys und die BMW Standard Tools vorinstalliert, ENET-Kabel für F- und G-Modelle dabei, passendes Kabel für E-Modelle auf Anfrage, persönliche Hilfe per WhatsApp und AnyDesk. Unsicher, was zu Ihrem BMW passt? Fragen Sie einfach.